Vom Kulturkampf zur Belle Epoque
Der Kanton Luzern 1875 bis 1914
by Heidi Bossard-Borner
Der dritte Teil der Luzerner Kantonsgeschichte des 19. Jahrhunderts beleuchtet den Weg aus der vom Trauma des Burgerkriegs uberschatteten Nachsonderbundszeit in die schweizerische Normalitat des fruhen 20. Jahrhunderts. Als spezifisch luzernisches Element tritt im Politischen der konservativ-liberale Gegensatz hervor; er wurde auch durch die Entstehung der sozialdemokratischen Partei nicht aufgeweicht. Auffallend sind die zwei Gesichter, mit denen sich der Parteidualismus prasentierte: einerseits die konstruktive Zusammenarbeit im politischen Alltagsgeschaft, andererseits die erbitterten Machtkampfe, die sich Konservative und Liberale periodisch lieferten. Ein unerschopfliches Reservoir fur Parteipolemik bot die Kirchenpolitik. Luzern war Schauplatz eines Kulturkampfs mit umgekehrten Vorzeichen, in dem die konservative Regierungsmehrheit gegen alles vorging, was als Bedrohung des romtreuen Katholizismus gelten konnte. Aus dem vielfaltigen Alltagsgeschaft von Politik und Verwaltung stechen zwei Themen heraus: das Phanomen der allzu zahlreichen Gemeindebeamten, die offentliches Gut veruntreuten, sowie das Schicksal der Kinder, die bei Privaten verdingt oder in den Erziehungsanstalten Rathausen und Sonnenberg versorgt wurden. Hinsichtlich des wirtschaftlichen und sozialen Lebens spannt sich der Bogen von der Weltwirtschaftskrise der 1870er Jahre uber die Modernisierung der Landwirtschaft, das Aufbluhen des Tourismus und die Entstehung industrieller Schwerpunkte hin zu den erbitterten Arbeitskampfen, die namentlich im Raum Luzern ausgetragen wurden. Hervorzuheben ist im Weiteren das Eisenbahnwesen mit der Gotthardbahn als dem Inbegriff verkehrspolitischer Traume und Enttauschungen. Besondere Aufmerksamkeit gebuhrt schliesslich den Vereinen, die das katholische Milieu strukturierten und damit dem Luzerner Katholizismus einen neuen Charakter verliehen.
Der dritte Teil der Luzerner Kantonsgeschichte des 19. Jahrhunderts beleuchtet den Weg aus der vom Trauma des Burgerkriegs uberschatteten Nachsonderbundszeit in die schweizerische Normalitat des fruhen 20. Jahrhunderts. Als spezifisch luzernisches Element tritt im Politischen der konservativ-liberale Gegensatz hervor; er wurde auch durch die Entstehung der sozialdemokratischen Partei nicht aufgeweicht. Auffallend sind die zwei Gesichter, mit denen sich der Parteidualismus prasentierte: einerseits die konstruktive Zusammenarbeit im politischen Alltagsgeschaft, andererseits die erbitterten Machtkampfe, die sich Konservative und Liberale periodisch lieferten. Ein unerschopfliches Reservoir fur Parteipolemik bot die Kirchenpolitik. Luzern war Schauplatz eines Kulturkampfs mit umgekehrten Vorzeichen, in dem die konservative Regierungsmehrheit gegen alles vorging, was als Bedrohung des romtreuen Katholizismus gelten konnte. Aus dem vielfaltigen Alltagsgeschaft von Politik und Verwaltung stechen zwei Themen heraus: das Phanomen der allzu zahlreichen Gemeindebeamten, die offentliches Gut veruntreuten, sowie das Schicksal der Kinder, die bei Privaten verdingt oder in den Erziehungsanstalten Rathausen und Sonnenberg versorgt wurden. Hinsichtlich des wirtschaftlichen und sozialen Lebens spannt sich der Bogen von der Weltwirtschaftskrise der 1870er Jahre uber die Modernisierung der Landwirtschaft, das Aufbluhen des Tourismus und die Entstehung industrieller Schwerpunkte hin zu den erbitterten Arbeitskampfen, die namentlich im Raum Luzern ausgetragen wurden. Hervorzuheben ist im Weiteren das Eisenbahnwesen mit der Gotthardbahn als dem Inbegriff verkehrspolitischer Traume und Enttauschungen. Besondere Aufmerksamkeit gebuhrt schliesslich den Vereinen, die das katholische Milieu strukturierten und damit dem Luzerner Katholizismus einen neuen Charakter verliehen.
- By (author) Heidi Bossard-Borner
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