Turkestan als Raum des Möglichen
Bäuerliche Migration nach Mittelasien im Russländischen Reich zwischen 1867 und 1914
By (author) Marina Ehresmann
Paperback (Forthcoming)
(June 2026)
ISBN: 9783832560904
6.69 x 9.45 inches
Price: $78.00
Out of stock
Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts die ersten russischen, ukrainischen, deutschen —
darunter prägend viele mennonitische — Bauernsiedler:innen in Russlands neu
eroberte mittelasiatische Gebiete kamen, bestimmten diese von Stund an die weitere
Entwicklung der Region entscheidend mit. Im Schatten der militärischen Eroberung
sowie der sowjetischen Periode wurden sie dennoch zu den “toten Seelen” der
Kolonisationsgeschichte schlechthin.
Die Migration nach Turkestan, die vor dem Hintergrund der gravierenden
wirtschaftlichen Umwälzungen als ein mehr-dimensionales Phänomen betrachtet werden
muss, brachte innerhalb der bäuerlichen Gemeinschaft kulturspezifische Deutungs- und
Sinnbildungsprozesse hervor. Durch alle Fraktionen und über die ethnischen Grenzen
hinweg folgten die Auswandernden einem erstaunlich ähnlichen Konzept: Zahlreiche
bäuerliche Projektionen eines als richtig ange-sehenen Lebens im Rahmen der
angestrebten Beheimatung kristallisierten zum Imaginationsraum “Turkestan”. Die
bisher in der Literatur einseitig durch religiöse Motive erklärte
Mennonit:innen-Auswanderung erscheint in einem solchen Lichte ebenfalls als Folge
dieses Vorgangs.
Die bäuerlichen Erwartungen konnten zwar keinesfalls alle in Erfüllung gehen,
gleichwohl übten sie eine reale Wirkung auf die neue Heimat aus: Selbst wenn die
Auswirkungen dieser Erwartungen durchaus einen Mitauslöser für den Aufstand der
indigenen Bevölkerung von 1916 darstellten, erhoben sie Turkestan zum Raum des
Möglichen, einem stabilen Narrativ, das noch bis in die 30er Jahre der Sowjetzeiten
hineinwirkte.
- By (author) Marina Ehresmann
