Polis und Porträt

Standbilder als Medien öffentlicher Repräsentation im hellenistischen Osten

Edited by Jochen Griesbach

Book cover: Polis und Porträt

Extent: 192 pages

Publisher: Dr. Ludwig Reichert Verlag

Subjects: Ancient Near East, Classical Studies

Series: Studien zur antiken Stadt

Language: German

Hardback (Published)

(August 2014)

ISBN: 9783954900091

9.45 x 12.6 inches

Price: $107.00

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Aus öffentlichen oder privaten Geldern errichtete Porträtstatuen zu Ehren verdienter Männer und Frauen bildeten seit dem Hellenismus die beliebteste Form individueller Repräsentation in der griechischen Poliswelt. Im Band zu einer internationalen Tagung in München (4. – 6. Dez. 2009) nähern sich Nachwuchswissenschaftler vor allem der Frage, nach welchen Kriterien diese multimedialen Monumente räumlich in Szene gesetzt wurden. Dabei geht es zum einen um die Rekonstruktion von Denkmälerlandschaften vor dem Hintergrund ihrer antiken Lebenswirklichkeit, zum anderen um die kultur- und sozialgeschichtlichen Erkenntnisse, die sich aus ihrer Betrachtung gewinnen lassen: Strategien zur Legitimation von selektiven Vorbildern in einer demokratisch orientierten Gesellschaft, dynamische Faktoren bei der Grenzziehung zwischen Privat und Öffentlich, ortsspezifischen Einsatz von sozialen Rollenbildern, Modelle der Integration von Vertretern einer fremden Hegemonialmacht in den eigenen Denkmälerbestand oder Konstruktionen von Geschichte über Gesichter und Körper, die man ihr aus scheinbar unvergänglichen Materialien verleiht. Anhand ausgewählter Kontexte wird so deutlich gemacht, wie den öffentlichen Räumen griechischer Städte über die Aufstellung von Standbildern Bedeutungsordnungen eingeschrieben wurden und welche Veränderungen im Verlauf der hellenistischen Epoche bis zu den Anfängen der Kaiserzeit dabei zu verzeichnen sind.<br/>


Mit den Akten zur internationalen Tagung Polis und Portrat liegt eine nutzliche Zusammenstellung von Synthesen zu Kontexten hellenistischer Bildnisstatuen vor, die vorwiegend aus aktuellen Qualifikationsarbeiten und Forschungsprojekten von Nachwuchswissenschaftlern der Klassischen Archaologie und der Alten Geschichte hervorgegangen sind. In der Mehrzahl der Beitrage geht es um die Frage, welche kommunikativen Absichten und Leistungen aus der raumspezifischen Aufstellung und Verteilung von Portratdenkmalern in den Poleis und Heiligtumern Griechenlands und Kleinasiens abgeleitet werden konnen. Die Standbilder mit ihren Inschriften werden demnach vor allem als Medien begriffen, uber die in der hellenistischen Offentlichkeit primar und langfristig kollektive Wertbegriffe wie Ehr- und Erinnerungswurdigkeit ausgehandelt wurden. Da sich solche ‘Ehrenstatuen’ in der Praxis grundsatzlich intensiver Konkurrenz ausgesetzt sahen, bedurfte es bei ihrer Platzierung und Gestaltung strategischer Uberlegungen, die den veranderungsanfalligen Umstanden Rechnung tragen mussten. In einer ausfuhrlichen Einfuhrung zum Forschungsstand wird u. a. zusammengefasst, welche sich ablosenden Tendenzen in dieser dynamischen Grundkonstellation im Verlauf der Epoche beobachtet werden konnen.Unter den Kontexten der Portratstandbilder stehen einzelne prominente wie pragnante Beispiele im Fokus: Auf der zentralen Agaisinsel Delos, gilt das Augenmerk vor allem der diachronen Entwicklung der Monumente im Apollon-Heiligtum (Herbin) und den auf die Spitze getriebenen Reprasentationsformen auf der sog. Italiker-Agora (Trumper). Anhand des Athena-Heiligtums von Pergamon (Mathys) werden die spezifischen Rahmenbedingungen burgerlicher Selbstdarstellung in einer hellenistischen Residenzstadt deutlich. Im traditionsreichen Temenos des Zeus in Olympia mussten fur den wachsenden Bestand an Statuen vollig neue Standorte geschaffen werden wie etwa vor der Echohalle (Leypold), wahrend auf der Agora von Thasos (Biard) der zunehmende Einfluss der Romer Massnahmen zu einer Neuorientierung der Denkmaler bewirkte. Uber den topologischen Ansatz hinaus sind die Beitrage auch ubergreifenden Fragen gewidmet wie dem komplizierten Verhaltnis von ‘Offentlich’ und ‘Privat’ (Ma, Griesbach, Sporn) bei Ehrenstatuen, sei es im Bezug auf die Kontexte, sei es im Bezug auf die Auftraggeber. Einzeluntersuchungen zur ikonographischen Definition sozialer Rollenbilder wie z.B. bei Strategen (Laube) und zur Modifizierung oder Konstruktion von ‘Erinnerungslandschaften’ auf der Akropolis von Athen (Krumeich) bzw. in der sog. Arzteschule der italischen Koloniestadt Elea (Galli) runden die Betrachtung der Portratdenkmaler als Medien ab. Insgesamt liefert der Band nicht nur zahlreiche neue Daten zu den archaologischen Primarquellen, sondern auch eine weitreichende Revision der Befunde unter neuer Perspektive.

  • Edited by Jochen Griesbach

„La publication, sous la direction de Jochen Griesbach, du colloque tenu à l’Institut für Klassische Archäologie de la Ludwig-Maximilians-Universität de Munich en décembre 2009 est à saluer sur plusieurs points. La première est la qualité formelle de la publication: les textes sont d’une grande aisance de lecture grace à une mise en page sobre et soignée, les figures, tout en noir et blanc à l’exepction de deux blanches rejetées en fin de volume, ont été choisies avec soin et viennent en général appuyer avec pertinence le propos des articles. On soulignera également la dimension internationale de ce colloque. [...] Nulle doute que la qualité des travaux de recherche publies ici et leur pertinance au regard du thème du colloque feront de ces actes un ouvrage de référence sur le sujet.“<br/><br/>Von: Martin Szewczyk<br/>In: Bonner Jahrbücher Bd. 215 (2015), S. 452-455. <br/>------------------------------------<br/>„In sum, the chapters in this volume are model examples of how to do careful historical and archaeological research on honorific portrait statues, and should be required reading for anyone interested in Hellenistic and Roman portraiture. The authors demonstrate time and again that much more can be said even about material that is well known and/or excavated long ago. More work, of course, needs to be done, and many of the chapters point towards productive areas for future research. (...) It is truly an exciting time to be working on the history of honorific portraiture in the Greek East, and the editor should be congratulated for bringing together such a stimulating set of papers.“<br/><br/>Von Sheila Dillon<br/><br/>In: <a target="_blank" href="http://www.sehepunkte.de/2016/04/druckfassung/26464.html">http://www.sehepunkte.de/2016/04/druckfassung/26464.html</a> <br/>--------------------------------------<br/>„Insgesamt liefert der Band nicht nur zahlreiche neue Daten zu den archäologischen Primärquellen, sondern auch eine weitreichende Revision der Befunde unter neuer Perspektive.“<br/><br/>In: <a target="_blank" href="http://fachbuchkritik.de/html/polis_und_portrat.html">http://fachbuchkritik.de/html/polis_und_portrat.html</a>
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