DAS ENTHYMEM.
Zur Rhetorik des juridischen Begründens. Interdisziplinäres Symposion zur Methode und Theorie der Rechtsrhetorik an der FernUniversität Hagen vom 29. bis 30. April 2011. SONDERHEFT Rechtsrhetorik.((k)) Zs. Rechtstheorie, 42. Bd. (2011), H. 4 (S. 377–
Edited by Katharina Gräfin von Schlieffen
Paperback (Published)
(July 2012)
ISBN: 9783428138975
6.18 x 9.17 inches
Price: $87.00
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Im ausblickenden Teil des Sonderhefts behandelt Gräfin von Schlieffen das Enthymem als taugliches Modell, um juridische Begründungen zu analysieren und ihre Praxis zu verstehen. Sie beschreibt, was ein Enthymem ausmacht, wie es aufgebaut ist, welche Arten von Enthymem existieren und nicht zuletzt, was ein Enthymem nicht ist. Die Darstellung verwendet Beispiele aus der Rechtsprechung, um deutlich zu machen, wann und wie Enthymeme eingesetzt werden und wie sie sich zur Formallogik verhalten.
Der abschließende Ausblick behandelt das Enthymem als ein ergiebiges Modell juridischen Begründens für die rechtswissenschaftliche Grundlagenforschung und die rechtliche Praxis. Das Enthymem, nach Aristoteles eine Deduktion aus anerkannten Meinungen, wird als rhetorisches Mittel zur Darstellung der Herstellung einer rechtlichen Begründung abgegrenzt von (scheinbaren) Mitteln wie dem (Justiz-)Syllogismus. Nach Herleitung und grundlegender Definition widmet sich Schlieffen den einzelnen Arten, nämlich deduktionsorientierten Enthymemen, Beispiel- und Zeichenenthymemen, sowie deren Aufbau, wobei dem häufig regellosen, wenn auch manchmal regelorientierten »Übergang« von der Behauptung zu deren Begründung besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird. Nicht vergessen wird in diesem Zusammenhang ein Hinweis auf die nicht-argumentativen Überzeugungsmittel des Juristen, die rhetorischen Figuren, das sprecherbezogene Ethos sowie das auditoriumsbezogene Pathos. In Abgrenzung zu anderen argumentativen Mitteln stellt die Verfasserin heraus, dass das Enthymem, entgegen der überkommenen syllogismus-truncatus-Lehre, kein verkürzter Syllogismus ist, dem eben nur eine oder mehrere Prämisse(n) oder die Folgerung fehlten. Auch von der diskurstheoretischen oder neorhetorischen Argumentationstheorie muss das Enthymem unterschieden werden: Rationalität gewährleisten Sprech- und Verhaltensweisen sowie das komplexe Beziehungsnetz in der Situation, nicht jedoch ethos- und emotionsfreie Argumente. Desgleichen können – entgegen Toulmin – auch logisch unschlüssige Begründungen über entfernte Endoxa oder Topoi für die Rhetorische Rechtstheorie plausibel sein. Ausblickend stellt Schlieffen die enthymematisch-rhetorische Perspektive als Bereicherung für das analytische Instrumentarium des Juristen heraus, für das die Logik allein keine umfassende Erklärung zu liefern in der Lage ist.
Katharina Gräfin von Schlieffen
Vorwort
I. Herkunft und Ort des Enthymems
Christof Rapp
Aristotelische Grundbegriffe in der Theorie der juridischen Argumentation
Manfred Kraus
Deduktion, Reduktion, Kontradiktion: Rhetorische Theorien des Enthymems
Temilo van Zantwijk
Das Enthymem: Fragmentarische Ordnung und rhetorische Wahrscheinlichkeit
II. Alte und neue Denkart der Jurisprudenz
Werner Krawietz
Haupt- und Gegenströmungen in der juristischen Methodik und ihre rechtstheoretischen Implikationen
Alexander Aichele
Enthymematik und Wahrscheinlichkeit. Die epistemologische Rechtfertigung singulärer Urteile in Universaljurisprudenz und Logik der deutschen Aufklärung: Christian Wolff und Alexander Gottlieb Baumgarten
Rolf Gröschner
Jurisprudenz und Enthymem – eine leidenschaftliche Liaison
III. Art und Weise des rhetorischen Überzeugens
Jan Schapp
Das Enthymem in der juristischen Methodenlehre
Thomas-Michael Seibert
Das Denkgesetz im Gesetz
Ulfrid Neumann
Das Enthymem in der Theorie der juristischen Argumentation
IV. Podiumsdiskussion – Fazit an ihr Beteiligter
Ralph Christensen
Statement
Martin Morlok
Fazit
Ausblick
Katharina Gräfin von Schlieffen
Das Enthymem – Ein Modell juridischen Begründens
- Edited by Katharina Gräfin von Schlieffen
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