Churratien im fruhen Mittelalter

Ende 5. bis Mitte 10. Jahrhunderts

by Reinhold Kaiser

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Extent: 379 pages

Publisher: Schwabe Verlagsgruppe AG

Subjects: Medieval Studies

Language: German

Hardback (Published)

(October 2008)

ISBN: 9783796510649

Price: $86.00

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Was bedeutete der Untergang des Romischen Reiches fur Ratien? Politisch-geographisch wandelte sich die Grenzprovinz Raetia prima von einem nordlichen Rand- und Grenzgebiet Italiens zu einem sudlichen des Frankenreichs. Die politische Umpolung hatte dauerhafte Nachwirkungen: Die quasi autonome Bischofsherrschaft der Familie der Zacconen-Victoriden wurde Anfang des 9. Jahrhunderts durch eine duale Form der Herrschaft ersetzt, die in ottonischer Zeit in das Nebeneinander von graflicher und bischoflicher Herrschaft mundete. Kirchlich loste die Umpolung die Zugehorigkeit Ratiens zur Metropole Mailand und unterstellte das Bistum Chur auf Dauer (bis 1802) dem Erzbistum Mainz. Die fruhe Phase der Christianisierung war getragen von Kraften des oberitalischen Raumes. Die Klostergrundungen, die Kultbeziehungen, Kunst- und Bauformen sowie die kirchlichen Einrichtungen zeigen, wie sich seit merowingischkarolingischer Zeit die alteren Verhaltnisse den gallisch-frankischen anglichen. Tiefgreifend war auch der Wandel der Sozial- und Wirtschaftsstruktur Ratiens: Die romische Gutswirtschaft wurde durch die fruhmittelalterliche Grundherrschaft mit ihren vielfaltigen Abhangigkeits- und Dienstverhaltnissen ersetzt. Neben vielen Hinweisen auf Viehwirtschaft (Alpen) erstaunt die Vielzahl von Weinbergen auch in extremen Lagen, von Obst- und Sonderkulturen sowie Muhlen. Handels- und Verkehrsbeziehungen kamen im Fruhmittelalter nicht zum Erliegen. Konstanz und Wandel spiegelten sich in den Siedlungsverhaltnissen und in den ethnischen und sprachlichen Gegebenheiten. Der archaologische Befund der Grabbeigaben und Trachtbestand – teile im Kernraum Churratiens lasst auf eine Bevolkerung schliessen, die noch ganz in romanischen Traditionen lebte. Das Sarganserbecken und das Rheintal nordlich der Walenseeroute waren alamannisch-romanische Kontakt- und Interferenzzonen. Sprachlich- ethnisch fuhrte dies ebenfalls zu einer Umpolung. Aus Urkunden, Inschriften, Orts- und Personennamen, Grab- und Siedlungsfunden, Kirchenbauten oder Wandmalereien und aus den Ergebnissen der historischen Nachbardisziplinen stellt Reinhold Kaiser funf Jahrhunderte fruhmittelalterlicher Geschichte Churratiens dar, das nicht nur den heutigen Kanton Graubunden (ausser dem Puschlav) und das Furstentum Liechtenstein, sondern auch Teile der Kantone St. Gallen und Glarus sowie von Vorarlberg, Nordtirol und Sudtirol (Vinschgau) umfasste. Im umfangreichen Nachwort setzt er sich kritisch mit den im letzten Jahrzehnt erzielten Forschungsergebnissen auseinander und stellt sie in den Zusammenhang mit dem Grundtext, auf den jeweils verwiesen wird. So lasst sich diese uberarbeitete und erganzte Neuauflage im darstellenden Text als Wanderung durch die Geschichte des fruhmittelalterlichen Churratien lesen und im Nachwort als Wanderung auf den Pfaden der Forschungen der Historiker, Archaologen, Kunsthistoriker, Epigraphiker, Palaographen, Sprachwissenschaftler oder Theologen.

  • By (author) Reinhold Kaiser