Bildlichkeit und Bildorte von Liturgie
Schauplätze in Spätantike, Byzanz und Mittelalter
Edited by Rainer Warland
Paperback (Published)
(May 2002)
ISBN: 9783895002571
6.69 x 9.45 inches
Price: $62.00
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Liturgien fuhren Himmel und Erde zusammen. Sie sind umfassende Kommunikationsgeschehen, die sich auf vielfaltige Weise der Bilder bedienen. Diese sind in der Bildhaftigkeit des zeichenhaften Handelns wie auch in der konkreten Bildlichkeit der Schauplatze und Ausstattungen gegenwartig. Die Spatantike bildet den Ausgangspunkt fur die in diesem Band versammelten Aufsatze, da dort die gemeinsamen Wurzeln kaiserlicher wie kirchlicher Liturgien anzutreffen sind, die vielfaltig als Stations- und Festliturgien ins Mittelalter wirken. Seit den Anfangen Konstantinopels waren es die bewegten Bilder kaiserlicher Prozessionen, die das sakrale Fundament des byzantinischen Staatswesens sichtbar machten. Der spatantike Herrscher reiste nicht mehr mit seinen Truppen, sondern residierte dauerhaft im Palatium. Die kaiserliche Reichsliturgie wandelte sich in eine Stadtliturgie, das Staatsvolk in das privilegierte Stadtvolk Konstantinopels. In Beobachtungen zur Topographie Konstantinopels und in der Auswertung von Gesandtschaftsberichten bestimmt Albrecht Berger (Berlin) Schauplatze und Erscheinungsbild dieser Kaiserprozessionen naher. Dass diese Kaiserliturgien zugleich ein Kommunikationsrahmen sind, in dem sich Veranderungen in der Interaktion zwischen Volk und Kaiser abzeichnen, arbeitet Steffen Diefenbach (Munster) heraus. Kaiserliche Liturgien wirken in den kirchlichen Raum hinein und verandern das Gedachtnismahl zu einem prunkvollen Ritus in monumentalen Kirchenraumen. Einwirkungen der Reliquienverehrung fuhren zur Parzellisierung des liturgischen Raumes durch Krypten und Kapellen. Franz Alto Bauer (Rom) analysiert ihre Funktion und Wirkung im fruhmittelalterlichen Rom. Zwischen Liturgie und Bildausstattung stellen sich Wechselwirkungen ein, die das Entstehen neuer, kommentierender Bilder hervorrufen konnen. Am Beispiel liturgischer Bilderrollen Suditaliens untersucht Nino Zchomelidse (Tubingen/ Rom) die Bildfassungen und Konnotationen, die Ritus und Heilsereignis verknupfen. Am Beispiel byzantinischer Kirchenausstattungen erortert Michael Altripp (Greifswald) die Ubereinstimmungen und Divergenzen von Raumprogramm und Ritus. Dabei beobachtet er, dass die Bilder starker ideell als wortlich mit der forcierten Metaphorik der liturgischen Formulare und Liturgiekommentare korrespondieren. Liturgien sprechen als ganzheitliches Erleben alle Sinne an. Wie mittelalterliche Bildwerke vom Kirchenraum als Schau- und Erlebnisraum Gebrauch machen, stellt Johannes Tripps (Heidelberg) vor Augen. In einer Spurenlese an unterschiedlichen Bildorten rekonstruiert er technische Vorkehrungen, die eine Bespielbarkeit der Gewolbe und ihrer “Himmelslocher” fur Auffahrten von Christus- und Marienfiguren erlaubten oder die Fassaden unter dem Schall von Engelsstimmen zu einem sinnfalligen Erleben der Himmelsstadt machten. Im Skulpturenschmuck hochgotischer Chore versammeln sich die musizierenden Engelscharen um den Altar. Bjorn R. Tammen (Koln) nutzt die Baldachinfiguren an den Pfeilern des Kolner Domchores zu einem musikhistorischen Diskurs uber den Psalm 150 und differenzierte Konzepte der steinernen Engelmusik. Nicht zuletzt an seinem Beitrag wird offensichtlich, wie notwendig der Dialog zu Kunst und Liturgie interdisziplinar gefuhrt werden muss.
- Edited by Rainer Warland
„Die Beiträge sind überwiegend flüssig geschrieben und gut zu lesen. Sie geben Einblick in ausgewählte Einzelaspekte des umfangreichen Fragenkomplexes nach den Wechselwirkungen von kirchlichen und kaiserlichen Zeremonien mit den Bauwerken, Kunstwerken bzw. urbanen Strukturen, die deren äußerlichen Rahmen abgeben. Der Titel des Bandes läßt nicht das weite Spektrum der verhandelten Themen erahnen, denn die erwähnten Bilder sind ja nur Teil dieses komplexen äußeren Rahmens. Daneben ist die grundsätzlich aufgeworfene Fragestellung, was denn die „Bildlichkeit einer Liturgie" ausmache, an den Rand gedrängt. Es steht zu vermuten, daß damit deren „Anschaulichkeit" gemeint ist, da sie vielerlei Sinne ansprechen kann. Vergleichbar und auf Wechselwirkung mit bestimmten Bildthemen oder -inhalten bedacht wäre jedoch weniger die Anschaulichkeit, als vielmehr der jeweilige „Symbolgehalt" der liturgischen Elemente näher zu klären – und dafür werden in dem Band vielerlei Beispiele untersucht.“<br/><br/>In: Zeitschrift für Antikes Christentum. 8 (2005). S. 390-393.<br/><br/>-----------------------------------<br/><br/>„Der Band von Rainer Warland ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer Bildlehre, die zu den Vollzügen der Liturgie in einem produktiven Spannungsverhältnis steht. Warland liefert gleichermaßen Beispiele für die als Bild wahrgenommene Liturgie als auch für eine selbst bildhaltige Liturgie. Die Erkundung der Wahrnehmung liturgischer Vollzüge dürfte einen wesentlichen Topos künftiger historischer Annäherungsweisen an die Liturgie darstellen. Entsprechend bietet es sich an, zwischen den (pseudo-) objektiven Berichten über tatsächliche Vollzüge und den subjektiven Erfahrungen von Liturgie bereits in den Quellenanalysen zu unterscheiden. Die Publikation zeigt trotz ihrer wohl notwendigen Umfangsbeschränkung eine Reihe konkreter Ansatzpunkte für die weiterführende Diskussion auf, welche interdisziplinär fortgesetzt werden muss — nicht zuletzt zur Bereicherung der Liturgiewissenschaft.“<br/><br/>In: Ecclesia Orans. 20 (2003) 3. S. 409-410.
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