Anekdotenalmanach auf das Jahr 1820.
Edited by Karl Müchler
Paperback (Published)
(October 2020)
ISBN: 9783428178582
4.61 x 6.02 inches
Price: $73.00
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Auf der Suche nach Baumaterial findet der Bauer Giorgios Kentrotas die Venus von Milo. Im August gelingt Josef Naus die Erstbesteigung der Zugspitze. Und das amerikanische Walfangschiff Essex wird durch einen Pottwal versenkt ein Ereignis, das Melville als Vorlage fur Moby Dick diente. 1820 ein Jahr voller abenteuerlicher Ereignisse. Der Schriftsteller, Polizeidirektor und Padagogensohn Karl Muchler hat auch fur dieses Kalenderjahr wieder 365 frohsinnige Anekdoten gesammelt, die er als Almanach bei Duncker & Humblot publiziert. Humor mit 200jahriger Geschichte.
»Unterhaltungsschriftsteller, * 2.9.1763 Stargard (Pommern), † 12.1.1857 Berlin.
Seine Kindheit verbrachte M. zunächst in Stargard, seit 1773 in Berlin, wo er auch Jura studierte. Seit 1783 hatte er verschiedene Verwaltungsposten inne, wurde 1794 zum Kriegsrat ernannt, verlor aber 1806 nach der Niederlage Preußens seine Stellung. 1814 kehrte er noch einmal als Polizeidirektor beim Generalgouvernement in Dresden (1815 in Merseburg) in den preuß. Staatsdienst zurück. Sein Pamphlet ›Rechtfertigung des aus königl. Sächs, in Preuss. Dienste übergetretenen Rathes N.‹ (1815, Abdr. b. Czygan) führte Ende 1815 zu seiner Entlassung, denn hier hatte ein preuß. Beamter anonym eine offensichtlich prosächsische Schrift verfaßt, um die in den preuß. Staatsdienst (Hzgt. Sachsen) übergetretenen sächs. Beamten als politisch unzuverlässig erscheinen zu lassen. Diese publizistische Intrige, welche Hardenbergs Bemühungen unterlief, die neugewonnenen Untertanen zu integrieren, blieb als Akt der politischen Meinungsmanipulation unverstanden. Man stellte sie als Folge einer ›früheren Geisteszerrüttung‹ hin (›Das gesamte Ministerium an den König‹, 25.2.1816). Nach diesem Desaster widmete sich M. nur noch unpolitischer Schriftstellerei. ›Das gelehrte Berlin‹ von 1825 bzw. 1845 nennt ihn als Autor oder Herausgeber von über 100 Titeln. Vom Zaren erhielt er seit November 1814 bis zu seinem Tod eine jährliche Pension von 100 Dukaten.
M. gehört zum Typus des freien Schriftstellers, der den sich etablierenden Verwaltungsstaat wie den literarischen Markt zum eigenen Vorteil zu nutzen suchte. Mit sicherem Gespür für den sich abzeichnenden Strukturwandel – in der ›Rechtfertigung‹ bezeichnete er selbstbewußt die Staatsbeamten und nicht den Adel als die gesellschaftlich führende Macht – stellte er sich vor seiner Entlassung freiwillig als politischer Publizist in den Dienst Preußens, lange bevor dieses selbst die Möglichkeit öffentlicher Meinungsbildung nutzte. Seine Schrift ›Ueber Volks-Despotismus‹ (1793), seine patriotische Lyrik (›Gedichte, niedergelegt auf dem Altar des Vaterlandes‹, 1813), darunter das verbreitete Gedicht ›Der Eroberer‹ (›Mag die Welt in thörigtem Erstaunen‹, 1806), und nicht zuletzt die geschickt die Wende in der preuß. Frankreichpolitik mitvollziehende Zeitschrift ›Das erwachte Europa‹ (1814) belegen seinen preuß. Patriotismus, aber auch sein Festhalten an der absolutistischen Staatsordnung.
Als Literat orientierte sich M. ganz an den wachsenden Anforderungen des literarischen Marktes. Dem Bemühen der Spätaufklärer um das weibliche Publikum schloß er sich noch während seines Studiums an (›Taschenbuch für Frauenzimmer‹, 1779–84). Das Interesse an didaktischer Literatur für die Jugend während der Biedermeierzeit befriedigte er mit zahlreichen Erzählungen, Märchen und Parabeln (u.a. ›Sittenbilder in Fabeln und Erzählungen für die Jugend‹, 1829). Er popularisierte die literarischen Standards der jeweiligen Epoche, wobei er sich ganz auf ein Publikum fixierte, das von Literatur kaum mehr als Unterhaltung, Lebenshilfe und Brauchbarkeit im geselligen Umgang erwartete. Seinen Anekdotensammlungen (›Anekdotenalmanach‹, 35 Bde., 1808–13, 1815, 1817–45) lag der aufklärerische Impetus zugrunde, Menschenkunde durch wahre Geschichten zu vermitteln. Mit seinen volkspädagogisch ausgerichteten und empfindsam-erzählerisch aufbereiteten dokumentarischen Verbrecherporträts (›Criminal-Geschichten‹, 1792; ›Kriminalgeschichten, Ein Beitrag zur Erfahrungslehre‹, 1828–32) kam er einem aktuellen Interesse an psychologischen und sozialgeschichtlichen Erklärungen im Rahmen einer ›Erfahrungsseelenkunde‹, wie sie von C. Ph. Moritz und C. H. Spieß vertreten wurde, entgegen. Indem er mittels Anthologien europ. Literatur zum verfügbaren Bildungsbesitz aufbereitete, trivialisierte er den Bildungsbegriff der deutschen Klassik (›Vergißmeinnicht‹, 1808/09; ›Schatzkästlein für deutsche Jünglinge‹, 1818). Aufklärerischer wie biedermeierlicher Geselligkeitskultur stellte er Sammlungen mit Denksprüchen und Scherzen (›Scherzhafte Denksprüche, Zum Gebrauch für Stammbücher‹, 1817) bzw. mit Gedichten und dramatischen Szenen (›Zu Familienfesten‹, 1823) zur Verfügung. Trotz hoher Produktivität war M. bald ein vergessener Autor. Von seiner überwiegend an Anakreontik und Empfindsamkeit geschulten Lyrik (›Gedichte‹, 1782, 1786, 1802) hat nur das Trinklied ›Im kühlen Keller sitz ich hier‹ in Kommersbüchern überdauert.«
Weber, Ernst, in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 261 f.
- Edited by Karl Müchler
Other Titles in this Series
Bericht über die elfte Versammlung deutscher Historiker
zu Straßburg i.E. 15. bis 19. September 1909, erstattet von den Schriftführern der Versammlung.
Weltgeschichte.
8. neu bearb., bis auf die Gegenwart fortgeführte Ausgabe. Hrsg. von Adolf Schmidt. Mit der Fortsetzung von Eduard Arnd. 4. vermehrte Aufl. Neunzehnter – Zwanzigster Band: Geschichte der neuesten Zeit 1789 bis 1871. Sechster – Siebenter Band.
Der Stolypinsche Gesetzentwurf.
II: Die Antwort des finnländischen Landtags. Übersetzt und hrsg. von Wilhelm Habermann. (Der finnländische Verfassungskampf).
Versuche zu einer Soziologie des Wissens.
(Schriften des Forschungsinstituts für Sozialwissenschaften in Köln, Band II).
Offenes Sendschreiben an den Oberprokureur des russischen Synods, Herrn Wirklichen Geheimrat Konstantin Pobedonoszeff.
Das deutsche Seerecht.
Ein Kommentar zum fünften Buch des Allgemeinen Deutschen Handelsgesetzbuchs und zu den dasselbe ergänzenden Gesetzen. Zweiter Band.
Die Hausindustrie in Königsberg i.Pr.
mit besonderer Berücksichtigung der Lage der Arbeiter und Arbeiterinnen.
Vier Söhne eines Hauses.
Zeit- und Lebensbilder aus Estlands Vergangenheit. Unter Mitarbeit von Frau Marie von Grünewaldt geb. von Neff. Zweiter Band.
Die Österreichisch-Ungarische Zolltarifrevision
mit besonderer Rücksicht auf die Beziehungen zu Deutschland. (Sonderabdruck aus dem Jahrbuche für Gesetzgebung, hrsg. von G. Schmoller, 6. Jg., 4. Heft).
Die Wirtschaft Griechenlands.
Ein Vergleich mit der Vorkriegszeit. Im Rahmen der vom Deutschen Industrie- und Handelstag veranstalteten Untersuchung der europäischen Länderbilanzen bearb. von Erich Eiswaldt im Auftrag der Industrie- und Handelskammer München.
Die Arbeiterversicherung nach österreichischem Rechte.
Mit Berücksichtigung des deutschen Reichsrechtes systematisch bearbeitet.
Die Währungsfrage in Österreich-Ungarn und ihre wirtschaftliche und politische Bedeutung.
(Sonderabdruck aus Schmollers Jahrbuch für Gesetzgebung. Jahrgang XIII, Heft 4).
Sämmtliche Werke.
Siebzehnter Band: Englische Geschichte vornehmlich im siebzehnten Jahrhundert. Vierter Band.
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Vorträge und Aufsätze zur Rechtsquellentheorie. (Prager Staatswissenschaftliche Untersuchungen, Heft 1).
Sämmtliche Werke.
Fünfunddreißigster und sechsunddreißigster Band: Die Osmanen und die Spanische Monarchie im 16. und 17. Jahrhundert.
Umrisse und Untersuchungen zur Verfassungs-, Verwaltungs- und Wirtschaftsgeschichte
besonders des Preußischen Staates im 17. und 18. Jahrhundert.
Wie studiert man Sozialwissenschaft?
(Schriften des Sozialwissenschaftlichen Akademischen Vereins in Czernowitz, Heft II).
Meistbegünstigung und Zollunterscheidung.
Betrachtungen über eine Neugestaltung der deutschen Handelspolitik nach dem Kriege. (Sonderdruck aus den Schriften des Vereins für Sozialpolitik, Band 155-I).
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