Die illuminierten Handschriften französischer Herkunft in der Bayerischen Staatsbibliothek

Teil 1: Vom 10. bis zum 14. Jahrhundert, Anhang: Die illuminierten Handschriften englischer und spanischer Herkunft

By (author) Ulrike Bauer-Eberhardt

Book cover: Die illuminierten Handschriften französischer Herkunft in der Bayerischen Staatsbibliothek

Hardback (Published)

(October 2019)

ISBN: 9783954903573

9.25 x 12.4 inches

Price: $522.00

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Im Zuge der kunsthistorischen Bearbeitung der illuminierten Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München – bei der bereits von der Autorin alle italienischen Handschriften beschrieben und einem chronologischen und geographischen Muster unterworfen wurden – werden nun die französischen Handschriften mit Buchschmuck systematisch erfasst. Dabei beinhaltet der erste Teil mit Text- und Tafelband alle französischen Handschriften vom 10. bis zum 14. Jh. Im Anhang wird auch der Gesamtbestand der spanischen und englischen Handschriften vorgestellt, wobei gerade letztere mit ihrer Dekoration während des sog. Channel Style um 1200 engstens in den nordfranzösischem Stilformen verwachsen und teilweise sogar nur durch andere Kriterien von jenen zu trennen sind. Ein herausragendes Beispiel englischer Buchkunst ist der berühmte, im 1. Drittel des 13. Jhs. in Oxford ausgestattete Goldene Münchener Psalter.<br/>


English summary: The volume of the scientific catalogues of the Bavarian State Library does not only include all the manuscripts from the 10th to the end of the 14th century with French illumination, but Ulrike Bauer-Eberhardt also describes in it all the English and Spanish decorated manuscripts kept in Munich. According to the art historical practice the 294 corresponding manuscripts are classified with stylistic arguments and attributed to different regions or cities and to different periods. So at last for certain parts of France – as the North or especially Paris – there can be given a representative portrait of certain workshops for book illumination or even of individual artists, who were active in certain periods and had decorated many manuscripts, today kept all over the world. In this context may be considered the so-called Channel Style, practiced with nearly identical elements of decoration about 1200 in southern England and northern France as well, as famous anonymous workshops – for example the Du Prat Atelier (cat. 30), the Gautier Lebaube Atelier (cat. 97), the Johannes Grusch Atelier (cat. 97, cat. 144), the Aurifaber-workshop (cat. 118, cat. 149, cat. 150, cat. 156, cat. 167, cat. 189) or the Jonathan Alexander Master (cat. 204) – or even several miniaturists identified by name, as Richard de Montbaston (cat. 252, cat. 255, cat. 257) and the Master Fauvel (cat. 255). But the volume includes also extraordinary manuscripts from England, such as the famous Golden Munich Psalter, illuminated in the first third of the 13th century in Oxford. Since great part of the manuscripts in Munich formerly belonged to Bavarian monasteries and they have been transferred to the Bavarian State Library during the secularization, also the majority of the exemplars illuminated in France offer sacral subjects. Worth mentioning in this context are the 35 tiny bibles created during the 13th century in France, with delicate parchment from unborn calfs, written in elegant textualis and often illuminated exquisitely with a great number of miniatures. Those portable manuscripts used for private devotion present the most progressive form of bibles in the Occident in those days, and of course they were part of the standard equipment in the different Bavarian monasteries. German description: Der Band der wissenschaftlichen Kataloge der Bayerischen Staatsbibliothek umfasst nicht nur die franzosisch illuminierten Handschriften vom 10. bis zum Ende des 14. Jhs., sondern darin beschreibt Ulrike Bauer-Eberhardt auch alle englischen und spanischen Handschriften mit Buchschmuck. Wie fur die kunsthistorische Betrachtungsweise ublich wurden alle 294 Handschriften nach Stilkriterien verschiedenen Landschaften oder Stadten zugeordnet und dort wiederum chronologisch sortiert. Dadurch ergab sich fur bestimmte Regionen – wie fur Nordfrankreich oder speziell Paris – eine reprasentative Sicht auf Buchmalerwerkstatten und sogar einzelne Kunstler, die zu bestimmten Zeiten sehr aktiv waren und deren illuminierte Handschriften auch in anderen Bibliotheken weltweit verwahrt werden. Dazu zahlt der um 1200 in Sudengland und Nordfrankreich mit nahezu deckungsgleichen Dekorationselementen angewandte sog. Channel Style ebenso, wie anonym benannte Werkstatten – wie das Du Prat Atelier (Kat. 30), das Gautier Lebaube Atelier (Kat. 97), das Johannes Grusch Atelier (Kat. 97, Kat. 144), die Aurifaber-Werkstatt (Kat. 118, Kat. 149, Kat. 150, Kat. 156, Kat. 167, Kat. 189) oder der Jonathan Alexander Master (Kat. 204) – oder sogar einzelne Werke namentlich fassbarer Miniatoren wie Richard de Montbaston (Kat. 252, Kat. 255, Kat. 257) und der Meister Fauvel (Kat. 255). Unter den prasentierten Handschriften sind auch bekannte Werke; als herausragendes Beispiel englischer Buchkunst sei auf den beruhmten, im 1. Drittel des 13. Jhs. in Oxford ausgestatteten Goldenen Munchener Psalter verwiesen. Da die in Munchen verwahrten Handschriften uberwiegend wahrend der Sakularisation aus den bayerischen Klostern in die Bayerische Staatsbibliothek gelangt sind, beinhalten auch die franzosisch illuminierten Exemplare hauptsachlich sakrale Themen. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang die 35 in Frankreich ausgestatteten Taschenbibeln, kleinformatige Bibeln mit dunnen Blattern Jungfernpergament und feiner eleganter Buchschrift, die teilweise sehr umfangreich mit Miniaturen ausgestattet sind. Diese beweglichen und der privaten Andacht dienlichen Handschriften prasentieren die damals modernste Bibelform im Abendland, und es verwundert nicht, dass sie in den verschiedenen bayerischen Klostern vorhanden waren.

  • By (author) Ulrike Bauer-Eberhardt

„In ihren Katalogbeschreibungen läßt Bauer-Eberhardt keine Wünsche offen. Der Schwerpunkt der Argumentation im einzelnen liegt sachgemäß im kunsthistorischen Bereich, doch bezieht die Autorin ergänzend alle kodikologischen und historischen Details – ganz im Sinne einer umfassenden Bucharchäologie – in ihre Überlegungen mit ein. Dazu zählen u.a. Beobachtungen zur Textüberlieferung, zu den Einbänden sowie zu den Besitzprovenienzen, die sie in einer sorgfältigen Zusammenschau sachkundig auswertet. Die Breite der Vergleichsbasis, aber auch die hinzugezogene Expertise in Form einschlägiger Sekundärliteratur und in Person von François Avril, dem Leiter der Bibliothèque Nationale in Paris und einem ausgewiesenen Fachmann für französische Handschriften, sind beeindruckend und erzeugen den unbedingten Eindruck wissenschaftlicher Verläßlichkeit. (...) Ein Personen-, Orts- und Sachregister (S. 345 - 354), ein Register zu Buchschmuck und Ikonographie (S. 355 - 362) sowie eine Auflistung der zu Vergleichszwecken herangezogenen Handschriften aus München und anderswo (S. 363 - 367) runden den Textband ab. Doch erst im Verbund mit dem separaten Tafelband mit 492 ausgezeichnet reproduzierten Abbildungen in Farbe entfaltet Bauer-Eberhardt alle Möglichkeiten, ihre differenzierten Verbalbeschreibungen am Objekt und in der Zusammenschau zu überprüfen sowie über den kunsthistorischen Vergleich Argumente für eine Identifizierung anderer, nicht datierter und/oder lokalisierter Codices zu finden. Für die Überlieferung spätromanischer und gotischer Handschriften aus Frankreich ist das zweibändige Verzeichnis insofern ein echter Meilenstein, der dem Vorgängerwerk der Autorin zu den Handschriften aus Italien in nichts<br/>nachsteht.“<br/><br/>Von Jürgen Geiß<br/>In: Informationsmittel für Bibliotheken, Jg. 28 (2020), Heft 2