Heinrich von Veldeke. Eneas-Roman

Vollfaksimile des Ms. germ. fol. 282 der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Einführung und kodikologische Beschreibung von Nikolaus Henkel. Bearbeitet von Andreas Fingernagel

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Extent: 150 pages

Publisher: Dr. Ludwig Reichert Verlag

Subjects: Literary Studies, Medieval Studies

Language: German

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts bearbeitete Heinrich von Veldeke Vergils Aeneis und schuf so seinen Eneas-Roman. Er erzählt vom Untergang Trojas und Eneas’ Flucht aus der Stadt, von seinem Aufenthalt bei der karthagischen Königin Dido, dem Gang in die Unterwelt, von Kämpfen und der Hochzeit mit der Königstochter Lavinia. <br/>Veldekes Werk markiert den Beginn des deutschen Höfischen Romans. Die hier faksimilierte Handschrift entstand um 1220/30 in Bayern. Es ist die älteste fast vollständige Handschrift des Werks mit dem ersten Illustrationszyklus zu Eneas, geschaffen von einem unbekannten Künstler. Text und Bild stehen sich hier gegenüber, von den 148 Seiten der Handschrift sind 75 mit Doppelminiaturen ausgestattet. Sie zeigen einen Künstler, der tradierte Bildschemata durchbricht und antiken Stoff, höfische Welt und sakrale Bildtypen miteinander verbindet.


Heinrich von Veldeke bietet gegen Ende des 12. Jahrhunderts in seinem Eneas-Roman eine deutsche Bearbeitung von Vergils Aeneis: Der Roman erzahlt vom Untergang Trojas und der Flucht des Helden aus der brennenden Stadt, von seinen Irrfahrten und seinem Aufenthalt bei der karthagischen Konigin Dido, deren Liebe er nicht erwidern darf und die sich deswegen das Leben nimmt; weiter vom Gang des Helden in die Unterwelt, den Kampfen in Italien und der abschliessenden Hochzeit mit der Konigstochter Lavinia. Veldekes Werk eroffnet die Gattungstradition des Hofischen Romans in Deutschland. Die hier faksimilierte Berliner Handschrift entstand um 1220/30 in Bayern, vermutlich in der Umgebung des Hofes der Wittelsbacher. Es ist die fruheste fast vollstandige Handschrift des Werks, fruhestes Beispiel auch der deutschen Romanillustration. Ihr hervorragender kunsthistorischer Wert liegt in den Bildern eines unbekannten Miniators: es ist der erste Illustrationszyklus zur Eneas-Geschichte, den das Mittelalter uberhaupt kennt. Text und Bild stehen sich jeweils gegenuber; von den insgesamt 148 Seiten der Handschrift sind 75 mit formatfullenden Doppelminiaturen ausgestattet. Sie geben Zeugnis von der Kraft des Kunstlers, tradierte Bildschemata zu durchbrechen und neue eigene Bilder zur Dichtung zu erfinden. Der Text Veldekes und die eigenstandige Illustration ragen heraus durch die Differenziertheit der Darstellung individueller Gefuhle. Auch die Bilder zeigen keine typisierten Personen – ein anderes Verstandnis von Realitat ermoglicht es dem Kunstler, die ganze Figur und die sie umgebende Hulle als Medium fur die Charakterisierung eines seelischen Zustandes heranzuziehen. Antiker Stoff, erlebte hofische Umwelt und vom Illustrator vorgefundene sakrale Bildtypen (wie Grablegung Christi u.a.) verbinden sich zu einem ganz neuen und eigenstandigen Bildzyklus, der durch die Vielfalt der Motive – von Kampf und Krieg bis zu ganz privaten Szenen – seinen besonderen Reichtum erhalt.

  • Revised by Nikolaus Henkel
  • Revised by Andreas Fingernagel