Schicksal und Geschichte
Antigone im Spiegel der Deutungen und Gestaltungen seit Hegel und Hölderlin
By (author) Otto Pöggeler
Paperback (Published)
(September 2004)
ISBN: 9783770540471
6.69 x 9.49 inches
Price: $60.00
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In der deutschen Geistesgeschichte wurde seit Hegel und Hölderlin die Geschichte als tragischer Prozess verstanden. Ein Drama wie die Antigone des Sophokles sollte als das vollkommenste Werk der Kunst die griechische Deutung des Miteinanders der Menschen und der Götter zeigen. Hegel legte aber dar, dass die Antigone mit den Reigen ihrer Chöre auf einer modernen Bühne nicht aufführbar sei. Doch zehn Jahre nach seinem Tod dirigierte sein Hörer Felix Mendelssohn-Bartholdy in Potsdam und Berlin seine Vertonung der Antigone. Hölderlins Sophokles-Übertragungen erhielten eine harte Kritik; im Zeitalter des Expressionismus griff man aber auf ihre ausdrucksvolle Sprache zurück. Als nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs gleich ein weiterer Krieg drohte, brachte Carl Orff seine Vertonung von Hölderlins Antigonä auf die Bühne. Martin Heidegger, der selber das erste Standlied der Antigone übersetzt und ausgelegt hatte, gratulierte Orff bei einer Münchener Aufführung zur ‘Wiedererweckung der antiken Tragödie’. Bertolt Brecht stellte seine Bearbeitung der Antigone gegen Orffs Mythisierung. Als man diese Bearbeitung im Oktober 1989 in Ost-Berlin spielte, bejubelte das Publikum Antigones Wort an Kreon: ‘Weniger (Menschen) sind es (in der DDR) geworden, seit du herrschst’. Auch in den Ruinen von Kabul wurde Antigone gezeigt. John Cranco brachte ein Antigone-Ballett ein, als er das Stuttgarter Ballett zum Weltruhm führte. Ein Maler wie Werner Scholz, einst durch die Brücke beeinflusst, zeigte Antigone auf Ölbildern. Dabei ging es, wie Hans-Georg Gadamer formulierte, nicht mehr um die überlebensgroßen Erscheinungen der Götter Homers. Schon die tragische Bühne und dann das gemalte Bild zeigten den Geschlagenen und Leidenden als den ganz menschlichen Menschen. So führt Antigones Tragödie die Menschen vor ihr Schicksal und zeigt, was Geschichte ist.
- By (author) Otto Pöggeler
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