Pop Science
Essays zur Wissenschaftskultur
by Eduard Kaeser
Wissenschaft in Fernsehen, Quiz und Feuilleton Popularisierung von Expertenwissen – dieses altehrwurdige aufklarerische Anliegen hat sich unter den aktuellen wirtschaftlichen, medialen und kulturellen Bedingungen grundlegend gewandelt. Auf der einen Seite machen die (Natur-)Wissenschaften, beflugelt von ihren Erfolgen, der Religion deren traditionelles Hoheitsgebiet von Welterklarung und Sinnstiftung streitig, auf der anderen Seite siedeln sie sich aber auch immer mehr im Bereich der Unterhaltungsindustrie an und werden zusehends zu einer Art ‘Pop Science’. Wissen allein genugt heute nicht mehr, man muss damit vor allem Aufsehen erregen, es publikumswirksam in Szene setzen. Aufmerksamkeit ist das kapitale Gut, die gefragte Ware, die universelle Wahrung. Im alltaglichen Kampf um Aufmerksamkeit kann auch die Forschung nicht darauf verzichten, ihre Anspruche vermehrt mediengerecht hochzuschrauben. Die hier versammelten Texte lassen sich durchaus selbst als Stucke der Pop Science lesen, insofern auch sie sich auf der Spielwiese zwischen Wissenschaft und Alltag tummeln. Aber sie sind gleichsam Pop Science mit Spassverderbercharakter. Sie kuhlen die Exaltationen des gegenwartigen Wissenschafts- und Technikbetriebes auf Normaltemperatur, das heisst auf ein menschliches Mass, herunter. Es geht in den vorliegenden Essays also wortlich um Versuche, dieses Mass in all den menschenfluchtigen Horizonten aufzuspuren, die sich heute in Technik, Wissenschaft, Medizin und Wirtschaft aufspannen.
Der Autor Eduard Kaeser, geboren 1948 in Bern, ist Physiker und promovierter Philosoph. Er ist als Lehrer, freier Publizist (u.a. fur die NZZ) sowie als Jazzmusiker tatig und erhielt 2006 den ersten Preis des Essaywettbewerbs ‘Ich arbeite, also bin ich’. 2008 erschien im Wiener Passagen Verlag die Essaysammlung Der Korper im Zeitalter seiner Entbehrlichkeit. Thematisch dreht sich seine Schreibarbeit um zwei Gravitationszentren: die Moglichkeit einer Anthropologie in einer Welt der Gerate und die Moglichkeit eines lebbaren Universalismus in einer multikulturellen Welt.
- By (author) Eduard Kaeser
Other Titles in this Series
Bewusstseinssprung. Im Raum von Selbst und Welt
Ein Dialog uber Wahrnehmung und Gegenwartigkeit
Volume 76
Similar Books
Between Bones and Beliefs
Human-Bird Relations in Central and Northern Europe in the First Millennium AD
Volume 4
Christina of Sweden in Context
A Celebration of Seventeenth-Century Queenship 400 Years in the Making
Engaged Languages and Literatures / Langues et Littératures engagées
Critical Views / Regards Critiques
Visual Memory and Oblivion
Monuments and Conflicts in Urban Spaces in Central and Eastern Europe from the Nineteenth Century to the Present Day
“Italien übertrifft alles, was man mir darüber gesagt hat”
Wilhelmine von Bayreuth und Friedrich II. im Briefdialog über die Italienreise der Markgräfin
In der Ferne gegenwartig. Katalog der Goethe-Bibliothek Dorn / ,Fernab und hoch droben’. Neue Feldforschungen zu Heiligtumern in peripheren Lagen von der Antike bis in das Mittelalter
Tagung Universitat Bamberg vom 21. bis 23. Oktober 2021
La Suisse, espace privilegie du neoliberalisme / Die Schweiz, ein idealer Nahrboden fur den Neoliberalismus
Räume und Zeiten des Kolonialen
Europäische Praktiken der Dominanz von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart
Restes humains provenant des anciennes colonies allemandes d’afrique de l’ouest
Recontextualisation et approches de la restitution
