Die totalitäre Erfahrung.
Deutsche Literatur und Drittes Reich.
Edited by Frank-Lothar Kroll
Paperback (Out of print)
(December 2003)
ISBN: 9783428112777
6.18 x 9.17 inches
Price: $86.00
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Die Haltung zeitgenössischer deutscher Schriftsteller zum Nationalsozialismus ist sowohl von der germanistischen als auch von der historischen Forschung in den vergangenen Jahren lebhaft diskutiert worden. Ähnlich wie die Einschätzung der Rolle der Wissenschaften, namentlich der Geisteswissenschaften, hinsichtlich ihrer inhaltlichen Ausrichtung und institutionellen Rahmenbedingungen im Dritten Reich, hat sich auch das Urteil über die unter den Bedingungen der deutschen Diktatur schreibenden Autoren seit Anfang der 1990er Jahre in bemerkenswerter Weise gewandelt, wenn auch mit weitgehend entgegengesetztem Akzentwechsel: Einer intensiv betriebenen Auseinandersetzung mit dem Phänomen “Deutsche Literatur und Drittes Reich” eröffneten sich zunehmend Freiräume und mehr oder weniger stark genutzte Möglichkeiten nonkonformen Schreibens, dissentierenden Potentials und regimekritischen literarischen Engagements.
Eine deutliche Neubewertung erfuhren in diesem Zusammenhang Begriff und Phänomen der “Inneren Emigration”. Dominierten hier noch in den 1970er Jahren polemische Pauschalverurteilungen, die den nach 1933 in Deutschland lebenden und arbeitenden Autoren eine “affirmative”, bei aller vermeintlichen Distanz zum Regime letztlich doch systemkonforme Haltung unterstellten, so verzeichnet die Forschung neuerdings zunehmend differenziertere Sichtweisen. Sie richten sich nicht nur gegen das weitverbreitete Klischee moralischen Versagens der nach 1933 in Deutschland verbliebenen Autoren. Sie zeigen sich auch um den Aufweis ästhetischer Gemeinsamkeiten und formaler Verwandtschaften in den Werken der “inneren” und der “äußeren” Emigration bemüht. Darüber hinaus diagnostizieren sie eine spezifische Form von “Modernität”, die manchen Erzeugnissen der Literaturlandschaft des Dritten Reiches unzweifelhaft zuzusprechen ist und, ins Grundsätzliche gewendet, die literaturgeschichtlichen Epochengrenzen keineswegs mit den entsprechenden politischen Zäsuren zusammenfallen läßt. Fragen und Problemstellungen dieser Art werden in dem vorliegenden Band ausführlich diskutiert.
Frank-Lothar Kroll studierte Geschichte, Kunstgeschichte, Germanistik, Philosophie und Religionswissenschaften in Bonn und Köln. 1987 Promotion; 1992 Präsident der Werner Bergengruen-Gesellschaft e.V.; 1995 Habilitation in Erlangen; 1996 Louis Ferdinand Preis des Preußeninstituts; Professurvertretungen an den Universitäten Erlangen und Dresden; 2000 Professurvertretung und spätere Berufung auf die Professur für Neuere und Neueste Geschichte / Europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der TU Chemnitz. Seit 2006 Vorsitzender der Preußischen Historischen Kommission und seit 2011 1. Vorsitzender der Prinz-Albert-Gesellschaft e.V.; u.a. Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Instituts für Zeitgeschichte München, der Forschungsgemeinschaft 20. Juli 1944 e.V. und der Ranke-Gesellschaft.
- Edited by Frank-Lothar Kroll
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